24. März 2013

„Freiheit und Leben kann man uns nehmen. Die Ehre nicht“

SPD-Ronsdorf gedenkt dem politischen Widerstand gegen Hitler und freut sich über 150 Jahre Parteigeschichte
 
Die "Agitation" von Ferdinand Lassalle vom Mai 1864 in Ronsdorf

Die “Agitation des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins” von Ferdinand Lassalle vom 22. Mai 1864 in Ronsdorf

Am vergangenen Samstag lud die SPD-Ronsdorf in das Naturfreundehaus in der Luhnsfelder Höhe ein, um diesem mutigen Demokratiebekenntnis von Otto Wels genau am 80. Jahrestag zu gedenken. Vor Genossinnen und Genossen aus Wuppertal und Remscheid erinnerte Sven Wiertz, Bundestagskandidat für den Wahlkreis 103, in seinem Vortrag an dieses historisch bedeutende Ereignis. Dabei ging er anlässlich unseres diesjährigen 150jährigen Parteijubiläums auch auf Ferdinand Lassalle ein, der kurz vor seinem Tod in Ronsdorf im Mai 1864 seine letzte und wohl wichtigste öffentliche Rede hielt.Berlin, 23. März 1933: Der Reichstag stimmt über das von Hitler eingebrachte Ermächtigungsgesetz ab. Das Abstimmungsergebnis und seine schwerwiegenden Folgen sind bekannt. Weniger bekannt ist, dass allein die 95 SPD-Abgeordneten mit Nein stimmten. 23 von ihnen bezahlten ihre Standhaftigkeit später mit dem Leben. Unvergessen ist auch das obige Zitat von Otto Wels als Inbegriff des politischen Widerstands der SPD gegen die Nazidiktatur.

Wiertz schlug den Bogen vom SPD-Widerstand gegen die Nazis zu Ferdinand Lassalle und zitierte aus einem Augenzeugenbericht, der den Einzug des Gründers des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins von Elberfeld nach Ronsdorf als großes Spektakel mit Blumengirlanden und einigen tausend Begleitern beschrieb. Abgerundet wurde das Samstagabendprogramm mit einem Dokumentarfilm über 150 Jahre SPD, der zugleich die jüngsten 150 Jahre deutscher Geschichte abbildet. Darin kommen auch SPD-Granden wie Helmut Schmidt, Hans-Jochen Vogel und Renate Schmidt zu Wort. Eindrucksvoll schildert der Film den Kampf der SPD für Demokratie und Freiheit in den vergangenen 150 Jahren. Viele der gesellschaftlichen Errungenschaften der SPD erscheinen uns heute wie selbstverständlich z.B. Bildung für alle, das Frauenwahlrecht, der 8-Stunden-Arbeitstag und die in der Verfassung festgeschriebene Gleichberechtigung von Mann und Frau. Motor dieser Entwicklung ist der feste Glaube von Millionen Genossinnen und Genossen an den Fortschritt der Menschheit und daran, die Welt kontinuierlich zu verbessern. Aus dem Film bleiben im Gedächtnis vor allem die Aussagen von Erhard Eppler, der die Nachkriegsentwicklung in zwei Sätzen pointiert zusammenfasst und von Egon Bahr, der davon berichtet, was Willy Brandt, den letzten deutschen Friedensnobelpreisträger, zu seinem Warschauer Kniefall veranlasste. Der Film enthält eine Vielzahl von politischen Analysen und Beschreibungen gesellschaftlicher Entwicklungsphasen. Zum Schluss bleibt die nüchterne Erkenntnis: Ostpolitik, Nato-Doppelbeschluss und Agenda 2010 waren unpopuläre Entscheidungen sozialdemokratischer Regierungen, die zwar die Kanzlerschaft kosteten, die Deutschland aber nachhaltig nach vorne gebracht haben. Aus den 150 Jahren erfolgreicher Politik für mehr soziale Gerechtigkeit und Frieden will die SPD heute neue Kraft schöpfen, um die gegenwärtigen Herausforderungen anzupacken. Und gegen Politikmüdigkeit seien die Eingangsworte im Film von Müntefering empfohlen: „Wenn Du etwas ändern willst, dann warte nicht bis was passiert, sondern fang’ selbst damit an!“ Recht hat er.