10. Februar 2017

SPD Themenabend: Inklusion

 

„Gesellschaftliche Teilhabe ist ein Menschenrecht, das ohne Einschränkungen auch für Menschen mit Behinderung gilt.“

von Ute-Anne Stillert-Loreng 

Mit dieser Feststellung bezog sich an dem Vortragsabend der SPD Josef Neumann als Inklusionsbeauftragter der Landesregierung auf die UN Konvention von 2006.

Die UN Konvention stellt deutlich heraus, dass die Gesellschaftliche Teilhabe ein Menschenrecht ist, das ohne Einschränkungen auch für Menschen mit Behinderung gilt und sämtliche Lebensbereiche, von der Arbeit über Bildung, Gesundheit und Pflege, persönliche Mobilität, Fragen des Bauens und Wohnens bis hin zur politischen Teilhabe erfasst. So ist das Prinzip der Inklusion, wonach Menschen mit Behinderungen von Anfang an und in allen Lebensbereichen an der Gesellschaft teilhaben sollen ein prinzipieller Grundsatz.

 

Nach 1945 begann mit der „Lebenshilfe“ ein gewisser Schutz für Menschen mit Behinderung. Das Prinzip der Exklusion wurde im Nachkriegsdeutschland im Sinne der Integration langsam verändert. Kirchliche Einrichtungen wie zum Beispiel Bethel übernahmen eine umfassende Versorgung von Menschen mit Behinderungen jeglicher Art. Auch die Aktion Sorgenkind gehört in diesen Zusammenhang.

Im Jahr 1981- das Jahr der Behinderten-galt erstmalig die Devise: „Jedem Krüppel sein Knüppel“, das heißt er musste und sollte sich wehren können. In einer inklusiven Gesellschaft ist es normal, verschieden zu sein. Jeder ist willkommen. Und davon profitieren wir alle: zum Beispiel durch den Abbau von Hürden, damit die Umwelt für alle zugänglich wird, aber auch durch weniger Barrieren in den Köpfen, mehr Offenheit, Toleranz und ein besseres Miteinander.

Als soziologischer Begriff beschreibt das Konzept der Inklusion eine Gesellschaft, in der jeder Mensch einbegriffen wird und gleichberechtigt und selbstbestimmt an ihr teilhaben kann – unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft, Religions-zugehörigkeit oder Bildung, von eventuellen Behinderungen oder sonstigen individuellen Merkmalen.
In der inklusiven Gesellschaft gibt es keine definierte Normalität, die jedes Mitglied dieser Gesellschaft anzustreben oder zu erfüllen hat. Normal ist allein die Tatsache, dass Unterschiede vorhanden sind. Diese Unterschiede werden als Bereicherung aufgefasst und haben keine Auswirkungen auf das selbstverständliche Recht der Individuen auf Teilhabe. Aufgabe der Gesellschaft ist es, in allen Lebensbereichen Strukturen zu schaffen, die es den Mitgliedern dieser Gesellschaft ermöglichen, sich barrierefrei zu dem Abbau von Barrieren als Selbstverständlichkeit zu betreiben. Heute- so Neumann -sind auch nach dem Inklusionsstärkungsgesetz NRW alle Menschen zudem politisch dabei. Sie dürfen wählen. Sie sollen im Peer-Counceling (Betroffene lassen sich von anderen Betroffenen beraten), die Teilhabe erfahren.

Wuppertal ist hinsichtlich des Inklusionsmanagements laut Bernd Engels (Vorsitzender des Beirates für Menschen mit Behinderung), Günter Andreß (Mitglied im Beirat der Menschen mit Behinderung) und Frau Sandra Heinen (Inklusionsbeauftragte der Stadt Wuppertal) ein Vorreiter hinsichtlich des sozialen und finanziellen Engagements.

Es gibt u. a. das Projekt für die Lehrstellen, dass Geld mit zum Meister gebracht wird. 1250,-€ monatlich. Damit ist die unwürdige Situation des Bittstellers weitgehend auflösbar. Das Sozialgesetzbuch schreibt im Buch 9, § 71 vor, dass Private und öffentliche Arbeitgeber, die mindestens 20 Arbeitsplätze vorhalten, wenigstens 5 Prozent dieser Arbeitsplätze an schwerbehinderte Menschen vergeben müssen. Dabei sind schwer-behinderte Frauen besonders zu berücksichtigen.
Momentan erfüllen die privaten Arbeitgeber ihre Beschäftigungspflicht noch nicht vollständig, die Quote liegt bei 4,1 Prozent. Barrierefreiheit ist die Grundvoraussetzung für Inklusion. Inklusion bedeutet, dass Menschen mit und ohne Behinderung ganz selbstverständlich zusammen leben, lernen, wohnen und arbeiten können. Es gibt Barrieren in der Umwelt wie fehlende Rampen oder Texte in unverständlicher Sprache. Auch im digitalen Bereich gibt es Barrieren, die es zu überwinden gilt: Durch barrierefreies Webdesign können Texte für Menschen mit Sehbehinderung maschinell vorgelesen und Bilder Beschrieben werden. Leichte Sprache, d.h. von unnötigem Ballast befreiter alternativer Inhalt hilft Menschen mit Lese- oder Lernschwächen, aber auch Nicht-Muttersprachlern am digitalen Leben teilzuhaben. So bedeutet auch gemeinsames Lernen und Leben eine gemeinsame Schule als Idee zur menschenwürdigeren Lebensplanung.

„Nicht der Mensch soll an die Umgebung angepasst, sondern die Umgebung an den Menschen angepasst werden.”

So soll auch: „ Ein Wuppertal für alle“ verstanden werden. Was die Barrierefreiheit betrifft, gibt es allerdings in Wuppertal laut Sandra Heinen und Bernd Engels noch viel zu tun. Allein die Absenkung der Bordsteinkanten in verschiedenen Stadtteilen oder die ebenerdige Einrichtung von Behindertentoiletten in Gaststädten Rathäusern, Schulen und Kindergärten ist unter anderem eine Aufgabe, die noch weiter bewältigt werden muss. Weltweit gibt es etwa 650 Millionen Menschen, die mit einer Behinderung leben. Nur in etwa 45 Staaten allerdings gibt es Vorschriften und Gesetze, die die Rechte dieser Menschen besonders schützen. Die UN-Konvention erfasst den zentralen Leitgedanken bei der Umsetzung der Konvention Das Konzept der Integration nimmt bewusst Unterschiede wahr und verlangt vom Einzelnen, dass er sich an das Mehrheits-system anpasst, um ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu sein. Die Inklusion dagegen ordnet unterschiedliche individuelle Eigenschaften und Voraussetzungen nicht auf einer Werteskala, sondern betrachtet die Vielfalt und Heterogenität der Gesellschaft als grundlegend und selbstverständlich. Hier muss sich nicht der Einzelne dem System anpassen, sondern die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen müssen so flexibel gestaltet sein, dass sie jedem Einzelnen Teilhabe ermöglichen.

 

Seit dem Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention und der Vorstellung des Nationalen Handlungsplans der Bundesregierung ist in der öffentlichen Diskussion immer häufiger der Begriff “Inklusion” zu lesen und zu hören. Nicht selten in Kombination oder als Ergänzung zum vertrauter klingenden Begriff der “Integration”.

Es handelt sich dabei jedoch nicht einfach um den Austausch eines Schlagwortes durch ein anderes: Integration und Inklusion bezeichnen vielmehr zwei sich grund-legend unterscheidende sozialpolitische Konzepte und stehen für unterschiedliche Sichtweisen auf die Gesellschaft.

Nach dem Motto: „Es gibt nicht immer sofort Lösungen, aber Wege dahin“ wurde intensiv mit den Vertretern der Stadt und dem Landtagsabgeordneten diskutiert. Eines ist an dem Abend allen Mitgliedern der SPD Ronsdorf und Gästen deutlich geworden: Leben in Inklusion fördert das Miteinander im gesellschaftlichen gemeinsamen Leben, stellt eine Bereicherung für alle Menschen dar. Es muss aber weiter gestaltet werden.

Weitere SPD Themenabende zum Thema Inklusion werden zeitnah bekannt gegeben.